Vor der Haustür: zu Fuß von Wilhelmshausen zu Gut Wissmannshof

Auf unserem Blog war es nun länger still. Der Grund dafür ist, dass aus dem Reisepaar Ende letzten Jahres ein Reisetrio geworden ist. Ab sofort ist unser kleiner Sohn immer mit von der Partie und wir freuen uns sehr darauf, mit ihm neue Orte zu erkunden.

Zunächst einmal sind wir viel bei uns in der Region unterwegs. Der Kleine schläft meist sehr gut im Kinderwagen, so dass wir viel zu Fuß marschieren. Einen unserer Spaziergänge, der eigentlich schon eher eine Wanderung war, möchten wir dir hier gerne vorstellen.

Mit dem Auto fahren wir bis Fuldatal-Wilhelmshausen. Leider ist an diesem tollen Frühlingstag unser bevorzugter Parkplatz an der Schleuse bereits voll, so dass wir einen knappen Kilometer weiter entfernt parken müssen. Unser Ziel ist heute das Restaurant Gut Wissmannshof, das bereits in Niedersachsen liegt.

Kinderwagen und schlafendes Baby werden aus dem Auto gepackt und los geht’s also. Die ersten Meter zurück zur Schleuse laufen wir auf dem Radweg an der Fulda entlang. Etwas störend, dass dauernd Radfahrer von vorne und hinten kommen und wir daher nicht nebeneinander gehen können. Naja, so ist das eben auf Radwegen, aber etwas breiter hätten sie ihn schon ausbauen können.

Bei Wilhelmshausen laufen wir auf der Schleuse über die Fulda und verlassen damit die Massen an Radfahrern. Wir wenden uns nach rechts und laufen noch einige Meter an der Fulda entlang, bis der Weg nach links in Richtung Wald abbiegt. Hier geht es jetzt schon langsam leicht bergauf, so dass ich das Schieben des Kinderwagens Stefan überlasse. Kurze Zeit später kommen wir an einen Bahnübergang, bei dem beide Schranken unten sind. Vermutlich hätte ich dort gestanden und gestanden und auf einen Zug gewartet. Stefan jedoch sieht den Knopf, den man zum Öffnen der Schranken drücken muss, so dass wir hier keine Zeit verlieren.

Ab jetzt führt der Weg komplett durch den Wald. Außer uns ist niemand hier unterwegs. Für mich schon wieder etwas zu spooky und ich fange an, laut „Der König und die Königin…“, ein Lied und wirklicher Ohrwurm aus unserem Stillcafé, zu singen. Irgendwie muss man ja die Wildschweine fern halten 😉

Kontinuierlich geht der Weg bergauf und wir kommen ins Schwitzen. Vor allem Stefan, der den Kleinen samt Kinderwagen schiebt… Immerhin schläft er zum Glück noch, denn wir haben noch einiges an Strecke vor uns. An einer Weggabelung entscheiden wir uns für geradeaus, da wir einen Abstecher über Speele machen möchten.

Als der Wald lichter wird, hat unser Kleiner keine Lust mehr und verkündet dies durch lautes Meckern. Na prima. Weit und breit ist keine Bank in Sicht um ihn füttern zu können. Also versuchen wir, das Weinen so gut es geht (und nein, es geht gar nicht) auszublenden und laufen zügig weiter. In Speele wird sich bestimmt eine Bank finden lassen.

Als wir den Ort erreichen, müssen wir ein kleines Stück auf der Straße laufen, da kein anderer Weg zu sehen ist. Semi-optimal. Aber dann, hinter der Kurve, eine Bushaltestelle. Ich nutze die Bank und stille den Kleinen erst mal, aber so richtig hungrig ist er nicht. Jetzt ist es aber nicht mehr weit bis zu unserem Ziel. Unter Protest des Kleinen laufen wir auf der Straße weiter, bis kurze Zeit später links ein Weg abzweigt. Hier finden wir auch ein erstes Hinweisschild auf Gut Wissmannshof.

Die letzten Meter ziehen sich enorm. Es geht laaaangsam steigend eine kleine und sich sehr langziehende Allee hoch. Endlich sind wir da. Vermutlich konnte man uns schon von weitem hören. Völlig geschwitzt und ko lassen wir uns auf die Stühle auf der Terrasse des Restaurants fallen. Jetzt erst mal einen strammen Golfer (wie strammer Max) und ein schönes Stück Kuchen hinterher. Sehr lecker und absolut zu empfehlen! Und wenn die aktuellen Bauarbeiten dort erst mal abgeschlossen sind, kann man während des Essens die Golfspieler auf dem zum Restaurant gehörigen Golfplatz beobachten.

Ach, was wäre es schön, jetzt mit dem Auto nach Hause zu fahren! Doch nein, der Rückweg zu Fuß steht noch an. Wir möchten einen anderen Weg nehmen als auf dem Hinweg, der soll immerhin auch etwas kürzer sein. Wir folgen einem Weg oberhalb des Restaurants in den Wald hinein. Hier wird zur Zeit mächtig gearbeitet und gerodet, der Geruch nach frischem Holz ist absolut betörend. So sollte unser Haus riechen, finde ich.

Nach ca. 1,5 km – endet der Weg. Eine Absperrung und ein Schild weisen darauf hin, dass das Weitergehen verboten sei. Na klasse! Davor hat Google uns nicht gewarnt. Also alles wieder zurück! An unserem Ausgangspunkt, dem Restaurant, wieder angekommen, meldet sich unser Kleiner wieder lautstark zu Wort. Auch das noch! Aber da müssen wir nun durch, also beschleunigen wir unser Tempo. Anstatt zurück über Speele zu laufen, wie auf dem Hinweg, folgen wir einem Wegweiser nach Wilhelmshausen. Auch dieser Weg führt direkt durch den Wald und auch hier sind wir wieder mutterseelenallein unterwegs. Ein Blick aufs Handy zwischendurch zeigt uns aber, dass wir hier richtig sind. Immerhin.

Meine Angst vor Wildschweinen ist übrigens immer noch da. In meiner Fantasie sehe ich uns drei schon aufgefressen von einem dicken Eber. Aber vielleicht schreckt sie ja wenigstens das Weinen unseres Babys ab. Langsam sind meine Nerven auch zum Zerreißen gespannt und mein Stresspegel steigt rasant an. Wer möchte schon sein Baby dauernd weinen hören? Als wir – endlich – wieder auf den Weg treffen, an dem wir uns auf dem Hinweg für geradeaus entschieden haben, reicht es mir total. Ich trage unseren Kleinen ein Stück, was ihn zufrieden stellt und mich jedoch gleich zusammenbrechen lässt. Also Baby wieder in den Kinderwagen und erneut das Weinen ertragen. Da ich dies jedoch nicht lange aushalte und wir sowieso allein im Wald unterwegs sind, hole ich – zack – die Brust aus und versuche, das kleine Windelwunder im Stehen bzw. Gehen zu stillen. Semi-erfolgreich. Zumindest machen wir davon noch ein Foto, um es später in sein Fotoalbum aufnehmen zu können 😀

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir wieder den Bahnübergang und kommen damit unserem Auto ein gutes Stück näher. Ich habe auch wirklich keine Lust mehr. Mit Kinderwagen und Baby so eine lange Tour durch den Wald, über Stock und Stein, zu machen ist wirklich nicht die beste Idee gewesen. Auch wenn der Weg an sich sehr schön ist und wir ihn sonst vielleicht auch noch mal laufen würden.

Die letzten Meter gehe ich in den Eilschritt über. Ich möchte einfach nur noch nach Hause und den Kleinen dort zur Ruhe kommen lassen. Endlich ist dann alles wieder im Auto verstaut – und unser Kleiner zufrieden am Brabbeln in seinem Maxi Cosi. Wer sagt’s denn.

15,5 km  – wir wissen am Abend wirklich, was wir getan haben.

Fazit:

Der Ausflug war als Spaziergang gedacht, wurde jedoch zu einer Wanderung. Der Weg durch den Wald war mit Kinderwagen sehr holprig, mit unseren luftgefüllten Gummirädern ging es jedoch einigermaßen. Generell ist die Strecke sehr schön und ruhig, nur das Fehlen der Wanderwege ab Speele und das Gezwungensein auf der Straße zu laufen sind nicht optimal. Gut Wissmannshof ist auf jeden Fall auch einen Ausflug wert und wir werden sicher nicht zum letzten Mal dort gegessen haben.

P.S.: Fotos vom Weg haben wir vor lauter Stress vergessen zu machen, deswegen gibt es diesmal nur ein paar Wenige.

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